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Die Wegwarte - Jungfrau in Blau

 

von Marianne Rattay

 

Da steht sie wieder nun wieder im Juli/August etwas ungelenk am Straßenrand in Ihrem wunderschönen himmelblauen Gewand, die Wegwarte (Cichorium intybus).

 

Einer Sage zur Folge wartete die Geliebte eines jungen Ritters, der an einem Kreuzzug teilnahm, am Wegrand vor dem Stadttor mit ihren Hofdamen auf seine Rückkehr. Doch der Ritter kam nicht mehr zurück. Auch als sie schon nicht mehr an eine Rückkehr des Ritters glaubten, weigerte sich das Burgfräulein, die Hoffnung aufzugeben. Und so konnte man diese kleine Gruppe noch lange Tag für Tag vor dem Stadttor warten sehen. Schließlich hatte der Himmel ein Einsehen. Das Burgfräulein wurde mit seinen Hofdamen in Blumen - Wegwarten - verwandelt, wobei die Hofdamen in blaue und die unglückliche Geliebte in eine weiße Wegwarte verwandelt wurden.


Auch das Fräulein von Reifenberg war dem Ritter von Hattstein (heute Schmitten) an verlobt. Dieser jedoch wollte noch vor der Hochzeit als Kreuzritter ins heilige Land ziehen. Er bat sie also, ihn ziehen zu lassen und versprach übers Jahr wieder zu kommen. Schweren Herzens ließ sie ihn ziehen, sie winkte ihm vom Brunhildis Felsen auf dem nahen Feldberg so lange nach, bis keiner der Reiter seines Trosses mehr zu sehen war. Ab dem nächsten Jahr erwartete sie ihn auf eben diesen Felsen und das Tag um Tag.

Was sie nicht wissen konnte, war die Tatsache, dass er und keiner seines Gefolges je wieder in den schönen Taunus zurückkehren konnten, denn alle waren bei dem Feldzug im heiligen Land gestorben. Dennoch ging das Fräulein von Reifenberg jeden Tag zum Felsen und wartete, darüber wurde sie immer schwächer bis ihre Brüder sie eines Tages tot auf dem Felsen fanden. Ob diese nun bei ihrem Begräbnis den Hattsteinern Rache schworen oder etwas anderes die Feindschaft zwischen den beiden Orten begründete, kann ich nicht sagen, nur heute müssen sie sich gegenseitig ertragen, denn sie gehören inzwischen zu einer Gemeinde.

 

Auch bei der Wegwarte bleibt das lange warten nicht ohne Spuren, die Wurzel der Pflanze hat alle Bitternis gespeichert. Daher verwendet man sie geröstet als Kaffee Ersatz, außerdem als Tinktur besonders bei Leber und Galle Leiden (Ärger!!).

Aus den jungen Blättern haben die Gärtner zwei Salatspezialitäten gezüchtet, den gelben Chicorée und den rot-weißen Radicchio, beide ebenfalls leicht bitter.

 

* Für die Herstellung des Zichorienkaffees schneidet man die Wurzel in kleine Stücke und trocknet sie.
* Anschließend werden sie langsam ohne Fettzugabe geröstet.
* Die gerösteten Wurzelstücke werden gemahlen.
* Das fertige Zichorienkaffee-Pulver kann man aufbrühen wie Bohnenkaffee.

 

Das Aroma des Getränks erinnert schwach an Kaffee.